Boden –unsere meist unterschätzte Ressource

Die BI Breitwiesen e.V. Weinheim ist Mitglied im Bundesbündnis Bodenschutz und solidarisiert sich mit Bürgerinitiativen, Naturschutz- und Bauernverbänden, um das Bewusstsein für Boden als schützenswerte Ernährungs- und Lebensgrundlage zu wecken und regionale Fehlentwicklungen zu verhindern. Sie appelliert an die kommunalen Entscheidungsträger den Flächenverbrauch konsequent zu stoppen, denn der Erhalt unserer Felder und Wiesen ist lokaler Klimaschutz.

Anlässlich des Weltbodentags am 5. Dezember erinnert der Verein BI Breitwiesen e.V. an das dringend erforderliche Umdenken beim Bodenverbrauch und mahnt die Politik ihre Zusagen zum Bodenschutz einzuhalten. Der Weltbodentag geht auf die Vereinten Nationen zurück, die seit 2005 auf die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden aufmerksam machen.

In Weinheim fordern Vertreter aus dem Klimaschutzbündnis, BI Breitwiesen, Naturschutz- und Bauernverband gemeinsam in ihrer diesjährigen Aktion:   Bodenschutz statt Betonschmutz.

„Boden hat keine Kulleraugen oder kuscheliges Fell – dennoch braucht er unseren Schutz mehr denn je“, stellt Uwe Rastetter, Vorstandsmitglied bei BI Breitwiesen e.V., fest. „Unversiegelter Boden ist höchst lebendig und nimmt zahlreiche für uns lebensnotwendige Funktionen wahr“, ergänzt Siegfried Demuth, BUND.

Fritz Pfrang, Karl Bär und Stefan Müller vom Bauernverband: „Statt Regenwälder für Nahrungsmittel abzuholzen und Unmengen CO2 freizusetzen, ist es besser Lebensmittel auf unseren Äckern zu produzieren.“ Gute Böden sind die Basis regionaler Lebensmittelversorgung und durch ihre Filterwirkung elementar wichtig für sauberes Grund- und Trinkwasser. Ohne Böden keine Artenvielfalt. Zugleich sind sie der größte CO2-Speicher, der die Erde lokal und global vor Erhitzung schützt.

Aller Erkenntnisse zum Trotz werden unaufhörlich weitere Böden als Bebauungsgebiete „entwickelt“. Mit positiv anmutenden Begriffen wie „Flächenentwicklung“ und „Gewerbepark“ wird verschleiert, dass es um Zerstörung natürlicher Ressourcen geht. Eine der Folgen: Das ohnehin rare Regenwasser kann nicht mehr ausreichend vom Erdreich aufgenommen werden, der Grundwasserspiegel sinkt, Wurzeln vertrocknen. Zudem entstehen im Sommer auf Versiegelungsflächen mitunter Temperaturen von über 70 Grad. Sie wirken wie Heizstrahler auf Mensch, Tier und Pflanze Das gilt für versiegelte Privatgrundstücke und Schottergärten ebenso wie für viele Gewerbegebiete. Um dies zu stoppen, braucht es Kaltluftentstehungsflächen wie Felder, Wald und Wiesen, Flächen wie die Hintere Mult und die Breitwiesen. Der rasante Bodenverbrauch für Verkehrs- und Siedlungsflächen in der Region ist nicht nur ein für jeden sichtbares und nicht mehr verdrängbares Umweltproblem. Meist wird dabei verschwiegen, dass Flächenverbrauch hohe Infrastruktur- und Folgekosten nach sich zieht, die letztlich alle Bürger belasten, stellt Dr. Bernd Hagenbruch fest. Beispiele solcher Art einseitiger Wirtschaftsförderung, die weiteren Boden zerstört, finden sich leider an der Bergstrasse genug: in Weinheim, in Hirschberg und jüngst in Hemsbach. So tragen auch Städte und Gemeinde in unserer Region dazu bei, dass der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland immer noch so groß wie 90 Fußballfelder ist. Das entspricht dem Doppelten dessen, was sich die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie 2002 für das Jahr 2020 auf die Bundesfahne geschrieben hatte, mahnen die Bodenschützer.

Fotoaktion zum Weltbodentag am 5.12.2020

Am 5. Dezember ist Weltbodentag: Ein Tag für unsere meist unterschätzte Ressource

Das große Erwachen nimmt Fahrt auf: Weltweit haben Entscheider in Politik und Wirtschaft das Abwiegeln beendet und begreifen allmählich, dass es Ernst ist in Sachen Klimaschutz. Im Schatten der spektakulären Bilder brennender Landschaften und schmelzender Eisflächen anderswo auf dem Planeten aber geht vor unseren Haustüren ein Raubbau weiter, der nicht weniger Aufmerksamkeit verdient: Die großflächige Versiegelung unserer Böden für neue Siedlungen, Verkehrs- oder Gewerbefläche.

Mit der leichtfertigen Zerstörung wertvoller Böden schaffen wir Fakten, die nicht wieder gut zu machen sind. Seit 1992 haben wir in Deutschland allein 1,35 Mio ha landwirtschaftlicher Flächen verloren – das entspricht mehr als fünfmal der Fläche des Saarlandes.

Bereits 2002 hatte die Bundesregierung eine Netto-Null-Neuversiegelung von Böden als Ziel gesetzt – dennoch verbrauchen wir auch heute noch das Doppelte dessen, was für 2020 angestrebt war. Das sind schlechte Nachrichten für regionale Ernährungssicherung, biologische Lebensräume, Grundwasser-Neubildung und die lange Zeit unterschätzte klimatische Ausgleichsfunktion unserer Böden.

Fotoaktion zum Weltbodentag

Bürgerinitiativen, Naturschutzverbände, Bauernverbände und unabhängige Fachleute haben sich im Bundesbündnis Bodenschutz zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die fortschreitende Zerstörung unserer Lebensgrundlage Boden aktiv zu werden.

Deshalb schließen wir uns der Initiative des Bündnismitglieds  BUND LV Rheinland-Pfalz an und rufen zur Teilnahme an der Fotoaktion auf:

Fotografiert, wo auch immer wertvolle Flächen von Versiegelung bedroht sind, mit Schildern wie dem abgebildeten, schreibt dazu, wo es aufgenommen ist  und sendet es bis zum 1. Dezember an:  jenni.follmann@bund-rlp.de oder an info@bundesbuendnis-bodenschutz.de.  Die Fotos werden am Weltbodentag in den Sozialen Medien und im Lumbricus-Blog veröffentlicht.

Galerie – Photowettbewerb 2020

Eine Auswahl der eingereichten Bilder unseres Wettbewerbs. Wir bedanken uns bei den Teilnehmern, dass wir ihre Bilder hier zeigen dürfen. Die Bildrechte liegen bei den Bildautoren.

Frank Weber
Sabine Schwinn
Sabine Schwinn
Sabine Schwinn
Kirsten Heinrich
Kirsten Heinrich
Kirsten Heinrich
Uwe Liebe
Uwe Liebe
Klaus Hafner
Norbert Eimann
Sven Grüber
Sven Grüber
Sven Grüber

Der Boden unter unseren Füßen

Bericht über unseren „Aktionstag Bodenschutz“ am 19.09.2020

Über 30 Interessierte fanden sich zur Fahrradexkursion beim Aktionstag Bodenschutz des Vereins BI Breitwiesen ein. Nach Begrüßung durch die Vorsitzende, die auf die wichtigen Funktionen des Bodens, z. B. als Ernährungsgrundlage und für den Klimaschutz, hinwies, ging es in die Feldflur.

Auf ihren Äckern erklärten die Landwirte, u. a. Christoph Schröder, Art und Verwendung der Feldfrüchte. Stefan Müller erläuterte sehr anschaulich, dass seine effektivsten Mitarbeiter unter der Erdoberfläche arbeiten – „nur gegen Kost und Logis“. Gemeint waren die unzähligen Mikroorganismen, die dafür sorgen, dass fruchtbarer Humus gebildet wird. „Dadurch ist weiteres Pflanzenwachstum möglich und die Erde wird vor Erosion geschützt“, so Müller. Erforderlich sei dazu, dass er seinen „Mitarbeitern“ Futter durch geeignete Bepflanzung, sog. Zwischensaaten, gibt.

Eindrucksvoll zeigte Diplom-Mineraloge Ludwig Meitzler anhand einer Grabung sowie einer Bodenprobe die einzelnen Bodenschichten. Er erklärte, weshalb es Rostflecken in der Erde gibt und erläuterte die Wichtigkeit der vielen Höhlen und Gänge der Kleinlebewesen, die zur Lockerung der Böden beitragen. Die Teilnehmer konnten mit ihren Händen die unterschiedlichen Bodenschichten im Grabungsloch erspüren, u.a. den feuchten Pseudogley.

„Der Boden unter unseren Füßen ist das Produkt Jahrtausende währender Prozesse. Jeder Boden ist aufgrund seiner individuellen Entwicklung einmalig und schon gar nicht kurzfristig zu ersetzen“, so Meitzler wörtlich. „Die Bildung einer nur 1 cm dicken Bodenschicht braucht ca. 200 Jahre und erfordert, dass das Wechselspiel zwischen geologischem Ausgangsmaterial, Bodenlebewesen, Klima und Pflanzenbewuchs optimal abläuft, “ ergänzte der Mineraloge. Diplom-Biologe Siegfried Demuth vom BUND machte deutlich, wie wichtig die zahlreichen Bakterien und Kleinlebewesen für die Erfüllung der Bodenfunktionen sind und diese wiederum für uns Menschen. Aus Sicht des Naturschutzes ist der Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen unverzichtbar, auch wenn zunächst noch konventionell bewirtschaftet. Denn eine letztlich anzustrebende ökologische Bewirtschaftung benötigt unverbaute Flächen.

Fritz Pfrang und Karl Bär vom Bauernverband betonten die Tiefgründigkeit der Böden auf den Breitwiesen, wo Wasser besser gespeichert wird, als anderswo. „ Dies wird in Zukunft wichtiger sein als die Art des Bodens, besonders in Trockenperioden, so Pfrang. „Menschen haben sich immer dort angesiedelt, wo es die besten Böden gibt“. Diese Böden liegen wie ein Gürtel um die Städte, so dass eine Ausdehnung der Siedlungsfläche meist fruchtbare Böden zerstört.

„Der rasante Abtrag der wertvollsten obersten Bodenschichten für Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen gerade in dicht besiedelten Gebieten ist nicht reparierbar“, ergänzte Ludwig Meitzler.

Alle Beteiligten waren sich einig: Boden ist für Klimaschutz und regionale Versorgung unverzichtbar.

Zum Zeichen der Wichtigkeit des Bodens stellt die BI „gelbe Stelen“ zur Verfügung mit der Aufschrift
Boden schützen – Breitwiesen.eu

Die Stelen werden auf Wunsch geliefert. Ingrid Hagenbruch, Karl Bär – Vorsitzende

06201/ 58284

Erdüberlastungstag

„Wir leben auf Pump“
Fast unbeachtet in den regionalen Medien verstrich am 22.08.2020 der „Erdüberlastungstag“. An diesem Tag waren rechnerisch alle natürlichen Ressourcen, die für 2020 bestimmt waren, aufgebraucht – Rohstoffe, Ackerflächen, Boden. Ab jetzt leben wir auf Pump und verbrauchen mehr , als reproduzierbar ist. Das Gleichgewicht ist längst nicht mehr gegeben.
In Deutschland ist der Ressourcenverbrauch so dramatisch, dass man 3 Erden bräuchte, um die Bilanz ausgeglichen zu halten.
Eines der vordringlichsten Probleme dabei ist der stetige Verbrauch und die Zerstörung von Boden in seinen natürlichen Funktionen.
Klimaschutz ist nicht ohne Erhalt von Ackerland und Grünflächen zu haben, Boden ist die elementare Grundlage für unsere Ernährung, für klimatischen Ausgleich und einen funktionierenden Wasserhaushalt, Basis für Artenvielfalt und unsere Erholung.
Leider wird Boden, vor allem landwirtschaftliche Flächen, immer noch in vielen Gemeinden als leicht verfügbare Nutzfläche für Siedlung, Gewerbe und Verkehr gesehen. Das jüngste Beispiel in Hirschberg, wo weitere 10 ha landwirtschaftliche Fläche für ein Gewerbegebiet geopfert werden sollen, zeigt, dass immer noch Kommunen das Heil in Wachstum und Flächenverbrauch sehen. Wie schnell die Gewerbesteuer wegbrechen kann, war jedoch in den letzten Monaten festzustellen. Da hilft es nichts, schnell nach den nächsten Äckern zu greifen, das nächste Gewerbegebiet zu erschließen, Infrastruktur –und Folgekosten eines neuen Siedlungs-oder Gewerbegebiets bleiben langfristig bei der Gemeinde hängen.
Zur Rettung unseres Lebensraums braucht es sehr schnell eine Energiewende, eine Verkehrswende und ein Ende des Flächenverbrauchs. Es kann auf unserem endlichen Planeten kein unbegrenztes Wachstum geben. Wirtschaftliche Entwicklung, gesundes Wohnen ist auf den genutzten und bebauten Flächen möglich. Wir sollten mit besiedelten Flächen haushalten- mit Flächenrecycling und besserer Nutzung von Wohnraum und Gewerbeflächen zu einer nachhaltigen Flächenkreislaufwirtschaft kommen – und zwar jetzt. Für unsere Kinder und kommende Generationen. Wir haben nur eine Erde…
Ingrid Hagenbruch
Weitere Informationen :
www.bundesbuendnis-bodenschutz.de

Der Erde gut zuhören

Hier dokumentieren wir einen Kommentar von Sandro Furlan
in den Weinheimer Nachrichten vom 28. März 2020

Der Erde gut zuhören

Earth Hour: In vielen Teilen der Welt wird heute Abend zwischen 20.30 und 21.30 Uhr das Licht ausgeschaltet. Es ist eine regelmäßig stattfindende, große Klima- und Umweltschutzaktion, Ziel ist es, gemeinsam ein Zeichen für den Umwelt- und Klimaschutz zu setzen. Es ist die Stunde der Erde und soll zeigen, dass wir uns alle besser um unseren Planeten kümmern müssen.

Wer es bis jetzt noch nicht bemerkt hat: Die Erde spricht gerade mit uns und alles, was wir tun müssen, ist gut zuzuhören. Wir leben seit Jahren auf der Überholspur, es geht immer höher, schneller und weiter, eine gute Performance geht einher mit immer mehr Umsatz und immer mehr Profit. Die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur schreitet voran, vieles wird im Überfluss produziert; vor allem dort, wo es in dieser Masse gar nicht benötigt wird. Wenn man der Erde nun aufmerksam zuhört, dann wird einem bewusst, wie zerbrechlich alles ist. Vermeintlich Wichtiges wird plötzlich ganz klein, bislang Unwichtiges taucht aus der Versenkung des Bewusstseins auf. Die Erde erzählt nicht nur, sie schreit förmlich ihren Schmerz heraus. Sie führt uns deutlich vor Augen, dass wir Menschen nur winzig kleine Sandkörner im Universum sind und uns als Gast auf diesem Planeten bislang ganz schön danebenbenommen haben. Covid-19 ist für die Erde daher eine Art Reset-Knopf und sollte das auch für uns sein. Denn wir können es sicherlich besser: gemeinsam, solidarisch und vor allem mit etwas mehr Weitsicht. sf ©WNOZ

Bürgerinitiative Breitwiesen wird gemeinnütziger Verein

Vereinsgründung wird von allen Mitgliedern parteiübergreifend beschlossen

Klima- und Artenschutz werden zu Recht in allen Medien gesellschaftspolitisch diskutiert. Um Bäume pflanzen, Lebensmittel zu erzeugen und Blühstreifen anlegen zu können, muss zunächst der gewachsene Boden bewahrt werden. Einmal versiegelt, hat er seine nachhaltigen Funktionen für immer verloren. Böden sind Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie sichern Ernährung, speichern Wasser, bieten vielfältige Überlebensräume und haben klimatische Ausgleichsfunktion in Zeiten ungebremster Klimaerwärmung.

Die Gründungsmitglieder des Vereins in den Breitwiesen im März 2020
Bildrechte: Siegfried Demuth

Felder und Wiesen wirken im Gegensatz zu bebauten Flächen temperaturausgleichend – sie kühlen, speichern Wasser und gewährleisten Biodiversität; dienen zugleich der Versorgung mit natürlichen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise wird deutlich, wie wichtig eine regionale Versorgung ist. Das gesündere Lebensumfeld und der Erholungswert für die kleinen und großen Bürger sind weitere Pluspunkte.

Mit dem Ziel, die knapp werdende Ressource Boden und freie Landschaft vor dem Ausverkauf in Weinheim zu bewahren, wurde der Bürgerinitiative Breitweisen die Form eines gemeinnützigen Vereins anerkannt. Als erste Vorsitzende wurde Ingrid Hagenbruch von allen Mitgliedern gewählt; als Stellvertreter Karl Bär; ergänzt wird der Vorstand durch die Beisitzerin Elisabeth Kramer und Uwe Rastetter.

Die Bürgerinitiative Breitwiesen e.V. setzt sich für den Schutz und Erhalt der Breitwiesen als freie Landschaft und Erholungsgebiet ein. Der Erhalt unseres natürlichen Landschaftsbildes, der Kulturlandschaft und damit landwirtschaftlicher Flächen, unversiegelter Böden in Weinheim und umliegender Gemarkung sind Themen für die wir weiterhin eintreten werden, so die Gründungsmitglieder leidenschaftlich.

Wir erhoffen uns als neugegründeter Verein durch die Weinheimer Bürgerinnen und Bürger eine ebenso hilfreiche Unterstützung wie bei der Bürgerbefragung 2013, falls eine weitere Ausdehnung der Flächenversiegelung droht bzw. als erforderlich dargestellt wird“ so die erste Vorsitzende Ingrid Hagenbruch.

Alle Mitglieder des gemeinnützigen Vereins arbeiten ehrenamtlich, der Verein hofft auf Spenden und Mitgliedsbeiträge, damit eine Informations- und Aufklärungsarbeit über die Bedeutung des unversiegelten Bodens stattfinden kann. Eine kritische Diskussion zur Vermeidung weiteren Flächenverbrauchs als gesellschaftliches Ziel ist nur möglich, wenn es wirtschaftsunabhängige Initiativen wie die Bürgerinitiative Breitwiesen gibt, die das Thema auf den öffentlichen Tisch bringen, resümieren die Gründungsmitglieder. Dass neben dem ökologischen Schaden durch die Erschließung neuer Gewerbegebiete auch weitere Kosten an den Bürger sozialisiert werden könnten (Infrastruktur, Erschließung, Parkplätze, Verkehrsführung usw.) müsse ebenso öffentlich diskutiert werden, wie die Beeinträchtigung der Lebensqualität oder des persönlichen Besitzstandes durch angrenzende Verbauung.

Als parteiübergreifender Verein ist man sich der Bedeutung einer funktionierenden Wirtschaft für Weinheim bewusst, aber diese darf nicht auf Kosten des „Gemeingutes Boden“ gehen. Ein Erhalt der freien Landschaft und von Flächen für regionale Lebensmittel unterstütze hingegen das Bürgerinteresse Klimaschutz.

Für die Bürgerinitiative Breitwiesen e.V. ist eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung durchaus flächenneutral durch Nutzung von Leerständen, Umbau, Recycling von Flächen und nachhaltige Innenstadtentwicklung möglich. Der Verein möchte mit Stadträten und Verwaltung dazu gerne ins Gespräch kommen und plant demnächst eine Informationsveranstaltung.

Flächenverbrauch in Krisenzeiten

BI Breitwiesen diskutiert mögliche Folgen für Weinheim

Die Bürgerinitiative Breitwiesen diskutierte in einer Telefonkonferenz am 19.03.2020 die Folgen des anhaltenden Krisenmodus, mit dem existenzbedrohende Verluste für Gewerbetreibende, Schließung der Grünanlagen und Versorgungsängste einhergehen.

Die BI erinnert daran, wie wichtig in solchen Zeiten regionale Versorgung mit frischen Lebensmitteln ist. Dies setze aber voraus, dass es weiterhin genügend Anbauflächen für Kartoffeln, Obst und Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte in Weinheim gibt. Lokale Erzeuger haben kurze Lieferstrecken und tragen dazu bei, dass die Bevölkerung trotz Einschränkung des überregionalen Handels weiterhin versorgt werden kann. Frischmilch lasse sich in Pandemietagen nicht durch halb Europa transportieren, sondern müsse vor Ort erzeugt werden.

Die Schließung der Weinheimer Parks und das sukzessive Lahmlegen des städtischen Lebens belegen eindrucksvoll, wie wichtig der Erhalt der vorhandenen grünen Gemarkung für die Bürger ist. Es müsse weiterhin blühende Wiesen um Weinheim geben, wo Menschen noch Ruhe und Erholung finden können. In der aktuellen Krisensituation bieten die flachen Wege für Erholungssuchende genug Raum für ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft. Ein Erhalt der Wiesen wird auch dazu beitragen, dass Bienen und andere Bestäuber überleben können, um auf Feldern und privaten Gärten weiterhin den nötigen Fruchtstand zu sichern. Weite grüne Flächen zwischen den Städten sind darüber hinaus eine natürliche Barriere für Viren, die vor allem da übertragen werden, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, so der Vorstand der BI in seiner Pressemitteilung.

Die BI geht davon aus, dass die aktuellen Ereignisse inhaltlich wie organisatorisch großen Einfluss auf die Planung der Zukunftswerkstatt nehmen werden. Der Verein äußert Sorge, dass die politische Gesamtsituation aufgrund der geschwächten Wirtschaft dazu genutzt könne, dass nach dem Pandemieende eine rigorose Flächenbebauung gefordert werde mit der Begründung „jetzt brauche man schleunigst neue Flächen, um das Gewerbe ankurbeln“.

OB Just betonte zwar mehrfach, dass ihm die „Ergebnisoffenheit“ der Zukunftswerkstatt am Herzen liege. Andererseits äußerte er bereits mehrfach sein Bekenntnis zu neuen Gewerbegebieten. Insofern ist ein Wunschergebnis „Neue Gewerbegebiete“ für die Zukunftswerkstatt schon definiert.

Auf der anderen Seite könnten sich die zufällig ausgewählten Bürger in der Zukunftswerkstatt ebenso wie die Bodenschützer am Beispiel dieser Krise vor Augen führen, wie wenig zuverlässig kommunale Einnahmen durch die Gewerbesteuer seien. „Auf die Gewerbesteuer als Haupteinnahmequelle der Stadt zu bauen, davor haben wir schon häufig gewarnt“ erinnert sich der Vorstand der BI Breitwiesen.

Viele Gewerbetreibende werden auch in Weinheim zweifelsohne durch die Corona-Krise existentiell getroffen. Inwieweit es aber sinnvoll ist, durch neue Gewerbeansiedlungen weiteren Konkurrenzdruck in Weinheim zu fördern, sollte überdacht werden. Kleinere und mittlere Unternehmen würden noch mehr belastet. Außerdem: das ohnehin schwer beschädigte Landschaftsbild der Touristenregion Bergstraße würde dann vollends aus dem natürlichen Rahmen gerissen, so befürchtet der Vorstand. Er verweist auch auf die Gefahr, dass in Zeiten leerer städtischer Kassen hohe Infrastrukturkosten für neue Baugebiete direkt oder indirekt an die Bürger weitergegeben werden könnten. In Krisenzeiten ist damit zu rechnen, dass mancher Investor in finanzielle Schieflage gerät. Dann fließt keine Gewerbesteuer. Hässliche Bauruinen mit versiegelter Landschaft und keine Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Nutzung könnten fatale Folgen sein. Die BI hält es für sinnvoller, angeschlagenen Weinheimer Unternehmen vorübergehend effektiv zu unterstützen, statt lebensnotwendige Naturräume und das Gemeingut Boden Investoren zu überlassen und damit der lokalen Landwirtschaft die Existenzgrundlage zu entziehen.

„Wir werden uns zusammen mit anderen Boden- und Naturschützern weiterhin engagiert in Diskussionen für den Erhalt unserer Grünflächen und Äcker einsetzen“, so Karl Bär und Ingrid Hagenbruch vom Vorstand des Vereins. Bereits 2013 habe der Bürgerentscheid gezeigt, dass dies im Sinne der Weinheimer Bürgerinnen und Bürger ist. Die Bürgerinitiative Breitwiesen sieht sich als kritisches Gegengewicht zu den Interessen einiger, die wertvolle Kulturlandschaft um Weinheim trotz Klimawandel und Pandemie immer noch für vermeintlichen Profit opfern wollen.

Der gemeinnützige Verein „Bürgerinitiative Breitwiesen“ setzt auf intelligente Stadtentwicklung ohne weiteren Flächenverbrauch. Weitere Info: 06201/25 80 90

Regionale Versorger unterstützen

BI Breitwiesen dankt den regionalen Versorgern in der Landwirtschaft

Die Mitglieder der Bürgerinitiative Breitwiesen sind in diesen Krisentagen besonders froh über unsere regionalen Versorger, die nachwievor frische Lebensmittel anbieten, auch wenn es im Supermarkt weniger wird. Dank lokaler Anbauflächen in Weinheim für Kartoffeln, Gemüse, Obst und Getreide versorgen sie uns Weinheimer in Zeiten eingeschränkten Warenhandels immer noch bestens. Nicht zu vergessen die Frischmilch aus Weinheim, die direkt vor Ort gekauft werden kann. Als Verbraucher können Sie sich über die unten genannten Internetseiten über den regionalen Anbieter informieren oder einfach anrufen, welche Produkte tagesfrisch erhältlich sind. Mit Ihrem Einkauf unterstützen Sie den Erhalt unserer regionalen Landwirtschaft und der Kulturlandschaft. Der Verein „Bürgerinitiative Breitwiesen“ nennt hier beispielhaft ansässige lokale Erzeuger. Gerne ergänzen wir die Liste.

Quittenprojekt Bergstrasse, Hintergasse 5, 69469 Weinheim, 06201 . 87 37 499
https://www.quittenprojekt-bergstrasse.de
hier geht´s direkt zum Quitten-Online-Shop

Bauernhof Rauch, Bertleinsbrücke 1,   69469 Weinheim  Tel 06201/64182
www.bauernhof-rauch.de

Bauernhof Großhans, Waidallee 71,    69469 Weinheim  Tel 06201/52886.
www.grosshans-milch.de

Apfelhof Schulz, Brunnweg 7,   69469 Weinheim   Tel 06201/62251
www.apfelhof-schulz.de

Fichtenhof Familie Hilkert, Bohackersiedlung 2, 69469 Weinheim  Tel 06201/879438  
www.fichtenhof-hilkert.de

Grillfleischautomat Worschte Miller, Odenwaldstrasse 26, 69469 Weinheim
Tel 06201/2579196

Familie Treiber,  Weschnitzsiedlung 14,  69502 Hemsbach   Tel 0620173630
www.milchhaeusel-hemsbach.de

Weingut Raffl Hofladen, Unterer Viehweg 2,  69469 Weinheim   Tel 06201/52384      
www.raffl.de

Weingut Schröder, Muckensturm 28,     68542 Heddesheim Tel 06201/16766      
www.weingut-schroeder.de

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